Marco Gebert, Diplom-Sportwissenschaftler, interdisziplinäre, neurologische Intensivtherapie Ambulanticum Herdecke

1. Welche Patientengruppen therapieren Sie überwiegend mit FES?
Wir therapieren/ trainieren zum größten Teil Para- und Tetraplegiker mit FES. Ich denke aber, dass sich dies zukünftig ändern wird und auch Patienten mit anderen neurologischen Grunderkrankungen wie Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma in den Genuss der FES in unserem Hause kommen.

2. Weshalb setzen Sie Funktionelle Elektrostimulation ein?
Welche Erfolge haben Sie?
Um signifikante, positive Veränderungen in den betroffenen Arealen zu kreieren, müssen für die beteiligten Systeme des Körpers – Muskeln, Nerven, Herz-Kreislauf etc. – die jeweiligen Reizschwellen überschritten werden. Das ist mit herkömmlichen Trainings- und Therapie- methoden häufig nicht möglich. Durch die Anwendung der FES werden die gesetzten Reize verstärkt, so dass die Wahrscheinlichkeit einer positiven Anpassung wie mehr Kraft, größeres Bewegungsausmaß oder qualitativ hochwertige Bewegungsabläufe steigt.
Insbesondere was die Vergrößerung von Muskelquerschnitten (Hypertrophie) angeht, sind wir im Bereich der Paraplegiker erfolgreich. Dabei wird die Elektrostimulation mit weiteren Trainingsverfahren (Blood Flow Restricted Training) kombiniert, um die gewünschten Anpassungsprozesse auszulösen.

3. Wie bewerten Sie die Zusammenarbeit mit K&T?
Wir haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma K&T in der Vergangenheit als fachlich und menschlich kompetent kennen und schätzen gelernt. Sie stehen unseren kreativen Ideen der Einsatzmöglichkeiten der FES offen gegenüber und unterstützen uns aufunserem Weg, den Umgang mit Menschen mit neurologischen Erkrankungen neu zu definieren.

4. Warum ist FES so wichtig für die Heimanwendung?
Als Menschen sollten wir täglich ein intensives körperliches Training zur Erhaltung und Verbesserung unserer Gesundheit durchführen. Dies gilt für Menschen mit einer neurologischen Erkrankung genauso wie für jeden Gesunden. Menschen mit einer neurologischen Erkrankung sollten sogar eher mehr trainieren als der Gesunde, was eine große Herausforderung für alle Betroffenen und Beteiligten darstellt. Dabei kann ein Training mit FES im häuslichen Umfeld zeitsparend, individuell und bedürfnisorientiert absolviert werden. Entscheidend ist, dass das Training kontinuierlich und regelmäßig durchgeführt wird, bis sich die gewünschten Resultate eingestellt haben.